{Elternschaft} Vollzeitmama…das große Glück oder die komplette Aufopferung?

Puh…es liegen ein paar sehr anstrengende Wochen hinter mir bzw. uns als Familie und ich bin die letzten Tage einfach nur gereizt, gestresst und dauermüde gewesen, hab mich ständig mit meinem Lieblingsehemann (ja, das Lieblings darf noch davor stehen ;-)) gestritten und konnte mich am Schluss selbst nicht mehr richtig leiden. Irgendwie ging alles drunter und drüber und ich habe für nichts richtig Zeit gefunden. Warum? Tja, als Mama hat man natürlich einen ganz anderen Tagesrhytmus und es lässt sich nicht alles so schnell und effizient erledigen, wie man es gerne hätte….

Aber fangen wir einmal vorne an: Ich habe vor zwei Wochen eine Ausbildung zur Trageberaterin absolviert, womit ich mich zum August diesen Jahres nebenberuflich mit einem Kleingewerbe selbstständig mache möchte. Ich bin schon seit Wochen am planen und organisieren und dachte, wenn die Ausbildung erst einmal geschafft ist, erledigt sich der Rest eher so nebenbei (ganz schön naiv, was? 🙂 ).  Ich habe vor der Geburt von unserem Lieblingsmensch eine Kaffeebar geleitet und bin eigentlich immer schon sehr geübt in Sachen Zeitmanagement, Organisation und effizientes Arbeiten gewesen…tja, und als Führungskraft in der Gastronomie bzw. als Mama auch definitiv Stress erprobt! Aber irgendwie lief diesmal irgendwie alles gar nicht so, wie ich es mir gewünscht habe…selbst improvisieren war hier schwierig!

Ich habe die Prüfung meiner Ausbildung und die ganze Vorbereitung zur Selbstständigkeit wohl etwas unterschätzt. Sieben Videos mit einwandfrei korrekten Bindetechniken drehen und gleichzeitig wichtige Fragen dabei beantworten? Gewerbe anmelden, Flyer gestalten und drucken lassen, Website fertig stellen, Zubehör (günstig) kaufen –so eine Tragepuppe kostet ab €80 aufwärts – und nebenbei den Haushalt schmeißen und Mama sein? Alles erledigt bekommen, bevor es in den Urlaub geht? Quasi eine Deadline einbauen als zusätzlichen Stressfaktor? Ach, alles kein Problem! Denkste! Ich habe dabei nicht mit einkalkuliert, dass man so ein 20 Minuten Video gut und gerne mal 20-30 Mal drehen kann (Versprecher sind hier ne Kleinigkeit) und vorbereitet werden muss so etwas natürlich auch. Bloß wann? Ach, die Motte macht doch täglich zwei Stunden Mittagsschlaf. Die Zeit kann ich für mein Skript und meine Notizen nutzen und die Videos werden dann am Wochenende gedreht. Gesagt getan. Auf einmal merkt man dann, dass täglich zwei Stunden, die einem zum planen, lernen und vorbereiten zur Verfügung stehen, ganz schön kurz sein können und als wenn es der Lieblingsmensch es geahnt hätte, wurden aus den zwei Stunden auch nur eine Stunde. Zu allem Übel werden dazu dann noch Mann und Kind krank, vier Backenzähne wollen auch noch raus und die Nächte sind so kurz, dass man den Mittagsschlaf des Lieblingsmenschen am liebsten für ein eigenes Nickerchen nutzen würde. Mein ganzes Zeitmanagement war somit natürlich für den Arsch und es musste ein Plan C her…

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Ja, in solchen Momenten würde ich mir ein bisschen mehr Freiraum wünschen…meine Zeit einteilen können, wie ich möchte und obendrauf einen zusätzlichen Puffer haben, wenn es doch nicht nach Plan A läuft. Versteht mich nicht falsch…dies wird kein Beitrag von wegen „Hach, ohne Kinder war alles noch so viel einfacher und ich war so unabhängig und manchmal wünsche ich mich zurück in die Zeit ohne Kind(er) und die damit verbundenen Verpflichtungen…“. Nein. Wir haben uns bewusst für Kinder entschieden und uns war ja auch klar, dass unser Leben nun etwas anders ablaufen würde als vorher…und ja, ich glaube ALLE Eltern versetzten sich gedanklich gerne mal in diese kinderlosen Momente zurück. Aber möchte ich die Momente eintauschen, in denen meine kleine Tochter morgens aufwacht, mich anstrahlt und sich so sehr freut, dass die Mama neben ihr liegt? Nein. Denn solche Glücksgefühle hat man in kinderlosen Zeiten wohl nicht so (oft) verspürt.

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Nach solchen Phasen frage ich mich jedoch, ob der bindungsorientierte Weg nicht doppelt so anstrengend ist? Ich habe quasi einen Vollzeitjob (als Mama) und etliche Nebenjobs. Hätten wir den „anderen“ Weg gewählt, wäre der Lieblingsmensch vielleicht jetzt im Kindergarten, ich hätte so vielleicht schon längst abgestillt und würde nicht so extrem auf ihre Bedürfnisse eingehen (müssen). So hätte ich (öfter) mehr Zeit für meine Arbeit (und mich) und alles wäre etwas entspannter? Opfern wir „Attachment Parenting“ Eltern uns für unsere Kinder auf? Nö, finde ich nicht. Natürlich ist es manchmal anstrengend und die Situation wie oben beschrieben kann einem schon mal ganz schön aus der Bahn werfen und einen körperlich und seelisch an den Rand des Wahnsinns bringen. Aber das kann einer Mama, die 30 Stunden die Woche arbeiten geht und das Kind im Kindergarten hat genauso passieren. Ich habe zudem das Glück, dass ich mir in solchen Stresssituationen einen anderen Weg suchen kann. Ich kann morgens (eventuell) länger schlafen, wenn die Nacht kurz war und ich kann mir den Tag so planen, wie es für mich und meinen Lieblingsmensch am besten passt. Die Sonne scheint und ich möchte lieber draußen im Park mit der Kleinen spielen statt für meine Prüfung zu lernen? Dann mache ich das.

Man kann im Leben so wenig steuern und kontrollieren und gerade mit Baby bzw. Kind ist das noch schwieriger. Hier funktioniert ein durchorganisierter Alltag meistens nicht und ein wenig Gelassenheit tut hier meistens ganz gut. Muss jetzt wirklich alles auf einmal erledigt werden? Der Wäscheberg ist schließlich morgen und übermorgen  auch noch da und die Spülmaschine kann auch später ausgeräumt werden. Ja, ich musste bzw. muss diese Sichtweise auch noch lernen und ich verfange mich auch hin und wieder in so chaotische Situationen, wo ich nicht weiß wo ich überhaupt anfangen soll. Trotzdem ist mir wieder bewusst geworden, dass ich als Vollzeitmama zwar einen 24/7 Job habe und mich das manchmal ganz schön stresst und ich danach ausgelaugt und müde bin, aber ich bin auch so dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, mein Kind bei mir zu haben, es aufwachsen zu sehen und jeden einzelnen Entwicklungsschritt mitzuerleben!

Und so genieße ich die aller meiste Zeit, dass ich sie noch stille, dass sie nicht in den Kindergarten geht und dass ich sie halt permanent um mich habe. Wenn ich eine Pause brauche, nehme ich sie mir! Ok, hier muss ich fairerweise einwerfen, dass ich hier auch noch lernen muss. So ganz für mich alleine sein und mich ein wenig erholen? Manchmal etwas schwierig. Aber die letzten Wochen haben mir wieder gezeigt, wie wichtig das ist. Ich war gezwungen, meine Pläne umzuwerfen und Prioritäten anders zu setzen, um hier nicht zu verzweifeln und meine Energie so nicht an Kleinigkeiten zu verschenken. Und musste bedingt durch Krankheit und schlaflose Nächte auch Pausen einbauen, sonst hätte wohl am Ende gar nichts mehr funktioniert. Ich habe komischerweise trotzdem alles erledigt bekommen, was ich mir anfangs vorgenommen hatte. Ohne Zeitdruck, weil ich mir am Ende mehr Zeit eingeräumt habe und so alles irgendwie etwas gelassener gesehen habe. So habe ich es auch geschafft, meine Prüfung pünktlich abzugegeben ohne während des Urlaubs noch etwas machen zu müssen, was mich vorher total gestresst hat!

Untersuchungen zeigen, dass man anpassungsfähiger ist, wenn man keine emotionalen Urteile über das Ausmaß seiner Belastung fällt.

Stimmt. Nehme ich mir das zu Herzen und sehe meinen Alltag als Vollzeitmama etwas gelassener, ist das ganze bindungsorientierte Elternsein nämlich auch gar nicht mehr so anstrengend 😉

So, und jetzt genießen wir unsere Urlaub..ohne Zeitpläne.

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Eure Carina

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Wie meistert ihr euren Alltag als Familie? Ob nun bindungsorientiert oder nicht. Verrennt ihr euch auch manchmal so? Alles muss perfekt organisiert und sofort erledgit werden, obwohl man sich damit nur selbst stresst? Oder ist das nur bei mir so? 🙂 Lasst es mich wissen!

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